1918 I 2018. WIR GLAUBEN AN EINE KUNST

(10.11.-23.12.2018)

Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Compiègne am 11.November 1918 endete der 1. Weltkrieg, die bis dahin grösste menschengemachte Katastrophe. Die von Entbehrung und Bedrängnis gezeichneten Jahre führten zu grossen sozialen Spannungen, die sich kurz nach Kriegsende in einem landesweiten Generalstreik entluden, bei dem die Stadt Basel eine tragende Rolle spielte.Mitten in diese turbulente Zeit und exakt vier Tage vor dem formalen Kriegsende am 7. November 1918 fand die Eröffnung der Gruppenausstellung Das Neue Leben in der Kunsthalle Basel statt. Ihr Initiant war der Basler Künstler Fritz Baumann (1886–1942), der auch ein eigenes Manifest mit demselben Titel verfasste und darin die Grundidee kurz beschrieb: «Das neue Leben ist eine freie Vereinigung junger Basler und Schweizer Künstler. Uns ist künstlerisches Schaffen reinste Lebensäusserung und höchste Religion. – Unsere Liebe zu der neuen grossen Bewegung in der Kunst führte und hält uns zusammen. Wir glauben an die lang erhoffte und ersehnte grosse Kunstwende.» Er sah die Ausstellung in der Kunsthalle Basel als Ausgangspunkt einer Erneuerungsbewegung der Künste in der Schweiz. Für die Planung und Durchfüh- rung dieses ehrgeizigen und aufwendigen Vorhabens suchte Baumann die Zusammenarbeit mit dem gleichaltrigen Solothurner Künstlerfreund Otto Morach (1887–1973) und den beiden jüngeren Basler Künstlern Niklaus Stoecklin (1896–1982) und Alexander Zschokke (1894–1981). Das Neue Leben war nicht einfach eine um Sichtbarkeit bemühte Ausstellung, sondern vielmehr eine Vereinigung von Künstlern und Künstlerinnen unterschiedlicher Generation und Stilrichtung. Wichtigstes Anliegen war es, eine Kunst zu propagieren, die sich von einer sinnentleerten Praxis abhob – vom hohlen Traditionalismus ebenso wie vom oberflächlich Modischen. In Übereinstimmung mit mehreren zeitgenössischen Bekenntnissen verwandter Künstlervereinigungen ging es um eine neue Kunst, die damals mit dem Sammelbegriff Expressionismus umschrieben wurde. An dieses künstlerische Ereignis inmitten turbulenter historischer Entwicklungen in Europa, erinnert die Galerie Mueller mit einer kleinen Ausstellung. Die Auswahl beschränkt sich auf Werke von knapp der Hälfte der 1918 in der Kunsthalle Basel ausgestellten Teilnehmer.Einige der heute gezeigten Arbeiten waren damals in Basel zu sehen, wie die Werkliste von 1918 bestätigt. Die vor hundert Jahren aufgeworfenen und losgetretenen Frage- stellungen und Diskussionen haben auch heute ihre Aktualität nicht eingebüsst.





THREE AMERICANS (15.9.-16.11.2018)

Die Ausstellung Three Americans. Al Held, Nicholas Krushenick, Kimber Smith ist eine Kooperation der Galerie Mueller in Basel (8.9.-28.10.2018) und der Galerie Ziegler in Zürich (15.9.-16.11.2018). Sie ver-einigt erstmals in der Schweiz Werke der drei amerikanischen Maler Al Held, Nicholas Krushenick und Kimber Smith. Im Leben aller drei Künstler spielten die Schweiz und Basel eine wichtige Rolle. Jede Galerie zeigt jeweils das Werk zweier Künstler ausführlich und eine Arbeit des dritten Künstlers als Referenz. Gemeinsam ist allen drei Künstlern eine intensive Auseinandersetzung mit der Malerei, dem Umgang mit Farbe und dabei mit Acryl, das Spiel mit Form und Flächen und die Beziehung zum Mal-untergrund, der Leinwand oder dem Papier. 

Die Galerie Mueller konzentriert sich auf Krushenick und Smith. Krushenick entwickelte in den 1950er Jahren in den Artist-run-spaces von Manhattan in engem Austausch und Freundschaft mit Al Held seine eigene Form der Pop Art, die Pop Abstraktion, während Smith ab 1954 in Paris eine lyrische Version des abstrakten Expressionismus kreierte. In Basel zeigte der Galerist Felix Handschin Smiths Werke bereits zu Beginn der 60er Jahre, während die Galerie Beyeler die Bilder von Krushenick 1971 auf dem Höhepunkt von dessen Karriere in Basel ausstellte. Die Galerie Mueller beginnt ihre Ausstellungstätigkeit mit der Gegenüberstellung dieser beiden Tendenzen der amerikanischen Malerei nach dem 2. Weltkrieg: Smith kam aus dem ab­strak­ten Express­ionis­mus, wenn auch mit Pa­riser Prä­gung, Krushenick war der einzige Pop Künst­ler, dem es gelang, das Populäre mit der Abstraktion zu verbinden.

 Installationsansicht  Three Americans  Galerie Mueller

Installationsansicht Three Americans Galerie Mueller

Held

Al Held (1928-2005) war ein in Brooklyn geborener Amerikanischer Maler und wichtiger Vertreter der zweiten Generation des abstrakten Expressionismus. Ende der 1950er Jahre stellte er in der Brata Gallery der beiden Krushenick Brüder in Manhattan aus. In seiner Malerei entwickelte er konkrete und geometrische Formen mit scharfen Konturen und wurde dadurch mit "Hard Edge" Malern wie Elsworth Kelly oder Frank Stella in Verbindung gebracht. Ende der 1960er Jahre interessierte er sich zunehmend für Raum und Volumen. Ein fortlaufendes Thema waren die Dimensionen seiner Leinwände. Al Held ist mit der Arbeit Quetzalcoatl (1966) in der Galerie Mueller vertreten.

 

 Installationsansicht  Three Americans  Galerie Mueller

Installationsansicht Three Americans Galerie Mueller

krushenick

Nicholas Krushenick (1929-1999) wurde in Brooklyn geboren und ist der wichtigste Vertreter der in der Pop Art bis heute wenig beachteten Abstraktion. Nach seiner Ausbildung in der Art Students League und einer Zeit als Betreiber der Brata Gallery in Manhattan entschied er sich, Ende der 1950er Jahre die figurative Malerei zu Gunsten einer ganz eigenen Abstraktion aufzugeben. Nach Experi­menten mit Collage und ersten Malereien mit übereinandergeschichteten Kreisen, wuchs Krushenicks Interesse an den „hard edges“. Sein Zu­gang war die Kombination von Collage und Malerei. Überlagerung und klare flächige Abtren­nung sind Hauptmerkmale seiner Malerei. Früh feierte er mit seinem unverkennbaren Stil Erfolge in den USA und Europa.

 Installationsansicht  Three Americans  Galerie Mueller

Installationsansicht Three Americans Galerie Mueller

smith

Der in Boston geborene Kimber Smith (1922-1981) war der älteste der drei Künstler und steht in seiner Malweise dem abstrakten Expressionismus am nächsten. Nach seiner Ausbildung in New York und ersten Ausstellungserfolgen zog es ihn 1954 nach Paris, wo er bis 1964 blieb. In diesem Jahrzehnt entwickelte er seine eigene Auffassung von Malerei als einer Synthese von lyrischer Abstraktion Pariser Prägung und seinen Wurzeln im abstrakten Expressionismus von New York. Das Malerische und die Behandlung der Leinwand sind dabei ebenso wichtig wie der inhaltliche Einsatz von Symbolen und Zeichen. Neben dem Materiellen der Malerei, interessierte er sich auch stets für deren spirituelle Ausdruckskraft.