georges noël

(18.5.-6.7.2019)

Diesen Frühling eröffnete die Galerie Mueller seine erste Einzelausstellung mit Werken des französischen Malers und Bildhauers Georges Noël (1925-2010). In enger Zusammenarbeit mit dem Nachlass erfolgte eine Auswahl von Malereien und Zeichnungen aus beinahe vierzig Schaffensjahren. Georges Noël entwickelte als knapp 30-jähriger nach seinem Umzug von den Pyrenäen nach Paris einen unverkennbaren Stil, basierend auf einer stupenden Maltechnik, die er zeitlebens beibehielt. Ende der 1950er Jahre entdeckte ihn der Pariser Galerist und Kunsthändler Paul Facchetti, der auch ander wichtige Künstler wie Klee, Fontana, Dubuffet oder Pollock in Europa vertrat. Das bis heute sehr starke Frühwerk ist mit vier Arbeiten in der Ausstellung in Basel vertreten. Ende der 1960er Jahre erfolgte sein Umzug in die USA, wo er in New York in der nächsten Dekade unter ganz neuen Einflüssen auch eine andere Bildsprache entwickelte, wobei er seine Technik beibehielt. Auch aus dieser Phase sind wichtige Werke in der Ausstellung zu sehen. Nach seinem Rückzug nach Paris in den 1980er Jahren wandte er sich wieder Themen aus seinem Frühwerk zu, veränderte seinen Stil wobei er, basierend auf seinen Erfahrungen in Übersee, die Grössen seiner Leinwände deutlich erweiterte. Die Malerei des Franzosen überzeug nicht nur auf einer sinnlichen Weise, sondern animiert das Publikum immer wieder hinzuschauen und erlaubt ihm, auch immer wieder neue Dinge zu entdecken. Themen aus der Ur- und Frühgeschichte, der Natur,. aussereuropäischen Kulturen und Überlegungen zum Kosmos und der Entstehung der Erde und der Menschheit sind wichtige wiederkehrende Faktoren in seiner Kunst. Auf der anderen gelang es Noël wichtige Tendenzen der Malerei der Nachkriegszeit eigenständig in seinem Werk zu rezipieren.

Mit Werken von Georges Noël.

Zwei Schweizerinnen

Margrit Linck, hedi mertens

(9.3.-27.4.2019)

Eine grosse Qualität von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern ist die Beherrschung ihres spezifischen Handwerks. Damit ist nicht etwa eine Form des Kunsthandwerks ge- meint, sondern jenes Handwerks, das jeder Kunstrichtung zu Grunde liegt — sei es der Malerei, der Plastik, dem Holzschnitt, dem Aquarell, dem Textilen oder der Keramik, um nur einige zu nennen. Das Handwerk ist Ausgangspunkt einer erfolgreichen Entwicklung und gewährleistet einen sicheren Umgang mit Inhalt, Material, Form und Farbe. Die Bernerin Margrit Linck (1897–1983) und die Ostschweizerin Hedi Mertens (1893–1982) beherrschten ihr Handwerk in perfekter Weise und schufen darauf aufbauend ein jeweils eigenwilliges und in seiner Weise sinnliches Werk. Linck war eine der wichtigsten Keramikkünstlerinnen der Schweiz, Hedi Mertens eine der interessantesten, wenn auch öffentlich wenig diskutierten konkreten Malerinnen. Die Ausstellung Zwei Schweizerinnen in der Galerie Mueller vereinigt erstmals eine repräsentative Auswahl an Arbeiten beider Künstlerinnen. Von Margrit Linck sind es gegenständliche und ungegenständliche Objekte, entstanden während knapp vierzig Arbeitsjahren, von Hedi Mertens ausschliesslich konkret abstrakte Malereien der 1960er- und 1970er-Jahre (bis auf zwei Selbstporträts aus ihrem figurativen Frühwerk). Beide Künstlerinnen verfolgten mit einer ihnen eigenen Seriosität und Souveränität ihren Weg. Sie wurden beide in derselben Dekade des vorletzten Jahrhunderts geboren und fanden erst relativ spät — nach dem zweiten Weltkrieg — und gegen innere und äussere Widerstände zu ihrer eigenen Formensprache und unverkennbaren Ausdrucksweise. Die Gegenüberstellung einer Auswahl an Arbeiten beider Künstle- rinnen eröffnet nicht nur den Blick auf zwei in Basel bisher eher wenig bekannte Positionen der Schweizer Kunst des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein Spannungsfeld zwischen Keramik und Malerei, Surrealismus und Abstraktion, Manierismus und Geometrie.

Mit Werken von Margrit Linck und Hedi Mertens.i


1918 I 2018

WIR GLAUBEN AN EINE KUNST

(10.11.-23.12.2018)

Mit der Unterzeichnung des Friedensvertrages von Compiègne am 11.November 1918 endete der 1. Weltkrieg, die bis dahin grösste menschengemachte Katastrophe. Die von Entbehrung und Bedrängnis gezeichneten Jahre führten zu grossen sozialen Spannungen, die sich kurz nach Kriegsende in einem landesweiten Generalstreik entluden, bei dem die Stadt Basel eine tragende Rolle spielte.Mitten in diese turbulente Zeit und exakt vier Tage vor dem formalen Kriegsende am 7. November 1918 fand die Eröffnung der Gruppenausstellung Das Neue Leben in der Kunsthalle Basel statt. Ihr Initiant war der Basler Künstler Fritz Baumann (1886–1942), der auch ein eigenes Manifest mit demselben Titel verfasste und darin die Grundidee kurz beschrieb: «Das neue Leben ist eine freie Vereinigung junger Basler und Schweizer Künstler. Uns ist künstlerisches Schaffen reinste Lebensäusserung und höchste Religion. – Unsere Liebe zu der neuen grossen Bewegung in der Kunst führte und hält uns zusammen. Wir glauben an die lang erhoffte und ersehnte grosse Kunstwende.» Er sah die Ausstellung in der Kunsthalle Basel als Ausgangspunkt einer Erneuerungsbewegung der Künste in der Schweiz. Für die Planung und Durchfüh- rung dieses ehrgeizigen und aufwendigen Vorhabens suchte Baumann die Zusammenarbeit mit dem gleichaltrigen Solothurner Künstlerfreund Otto Morach (1887–1973) und den beiden jüngeren Basler Künstlern Niklaus Stoecklin (1896–1982) und Alexander Zschokke (1894–1981). Das Neue Leben war nicht einfach eine um Sichtbarkeit bemühte Ausstellung, sondern vielmehr eine Vereinigung von Künstlern und Künstlerinnen unterschiedlicher Generation und Stilrichtung. Wichtigstes Anliegen war es, eine Kunst zu propagieren, die sich von einer sinnentleerten Praxis abhob – vom hohlen Traditionalismus ebenso wie vom oberflächlich Modischen. In Übereinstimmung mit mehreren zeitgenössischen Bekenntnissen verwandter Künstlervereinigungen ging es um eine neue Kunst, die damals mit dem Sammelbegriff Expressionismus umschrieben wurde. An dieses künstlerische Ereignis inmitten turbulenter historischer Entwicklungen in Europa, erinnert die Galerie Mueller mit einer kleinen Ausstellung. Die Auswahl beschränkt sich auf Werke von knapp der Hälfte der 1918 in der Kunsthalle Basel ausgestellten Teilnehmer.Einige der heute gezeigten Arbeiten waren damals in Basel zu sehen, wie die Werkliste von 1918 bestätigt. Die vor hundert Jahren aufgeworfenen und losgetretenen Frage- stellungen und Diskussionen haben auch heute ihre Aktualität nicht eingebüsst.

Mit Werken von Hélène Amande, Alice Bailly, Fritz Baumann, Irma Kocan, Otto Morach, Heinrich Müller, Franzisca Stoecklin, Fritz Stoecklin, Niklaus Stoecklin, Sophie Taeubr-Arp und Alexander Zschokke.


THREE AMERICAnS

(15.9.-16.11.2018)

Die Ausstellung Three Americans. Al Held, Nicholas Krushenick, Kimber Smith ist eine Kooperation der Galerie Mueller in Basel (8.9.-28.10.2018) und der Galerie Ziegler in Zürich (15.9.-16.11.2018). Sie ver-einigt erstmals in der Schweiz Werke der drei amerikanischen Maler Al Held, Nicholas Krushenick und Kimber Smith. Im Leben aller drei Künstler spielten die Schweiz und Basel eine wichtige Rolle. Jede Galerie zeigt jeweils das Werk zweier Künstler ausführlich und eine Arbeit des dritten Künstlers als Referenz. Gemeinsam ist allen drei Künstlern eine intensive Auseinandersetzung mit der Malerei, dem Umgang mit Farbe und dabei mit Acryl, das Spiel mit Form und Flächen und die Beziehung zum Mal-untergrund, der Leinwand oder dem Papier. 

Die Galerie Mueller konzentriert sich auf Krushenick und Smith. Krushenick entwickelte in den 1950er Jahren in den Artist-run-spaces von Manhattan in engem Austausch und Freundschaft mit Al Held seine eigene Form der Pop Art, die Pop Abstraktion, während Smith ab 1954 in Paris eine lyrische Version des abstrakten Expressionismus kreierte. In Basel zeigte der Galerist Felix Handschin Smiths Werke bereits zu Beginn der 60er Jahre, während die Galerie Beyeler die Bilder von Krushenick 1971 auf dem Höhepunkt von dessen Karriere in Basel ausstellte. Die Galerie Mueller beginnt ihre Ausstellungstätigkeit mit der Gegenüberstellung dieser beiden Tendenzen der amerikanischen Malerei nach dem 2. Weltkrieg: Smith kam aus dem ab­strak­ten Express­ionis­mus, wenn auch mit Pa­riser Prä­gung, Krushenick war der einzige Pop Künst­ler, dem es gelang, das Populäre mit der Abstraktion zu verbinden.

Mit Werken von Al Held, Nicholas Krushenick und Kimber Smith.